Hafenstadt London

„In Momenten, in denen ich mich in Gedanken nach einem Hafen, einem Zuhause sehnte, dachte ich an London. Die Erinnerung an die Stadt, geerdet von selbstverständlicher Sicherheit, verwurzelt in der Tradition einer weitreichen Hisotrie und einer selbstverständlichen Moderne, wirkte beruhigend auf mich. Diese Faszination für London war zum einen von kultureller Vielfalt, zum anderen von allgegenwärtigem Respekt vor der Popkultur geprägt. Ich vermisste diesen Respekt anderswo. Es kam mir so vor, dass London in seiner Achtung vor Popkultur dem Augenblick Wichtigkeit schenkte. Das Leben in London gab mir ein eigenartiges Gefühl von Zugehörigkeit. Es schien, als habe jeder noch so entlegene Zipfel des ehemaligen British Empire einen Stempel in der Vielfalt der Gesichter Londons hinterlassen. Die Masse wird durch Buntheit, nicht durch Einheitlichkeit charakterisiert. Hier war ich keine Exotin mehr, sondern einfach eine von Vielen. London, erklärte treulos, aber voller Sehnsucht und Überheblichkeit, sexy, überlaufen und verwöhnt, in vieler Hinsicht anbetungswürdig und absolut unerreichbar.“

Das schreibt Miriam Stein in ihrem autobiographischen Roman „Berlin Seoul Berlin“ über London. Sie sitzt gerade im Flugzeug Berlin-Seoul und der Flug wird ein Flug durch die Zeit. Sie erinnert sich an Schlüsselszenen ihres Lebens.

Es gibt sie, diese Szenen, diese Augenblicke, die alles verändern. Danach ist nichts mehr, wie es vorher war – kann es nicht, wird es nicht. Nie wieder.

Sie erinnert sich an einen solchen Augenblick mit ihren Eltern in Osnabrück. „Damit endete der Streit. Damit endeten meine Kindheit und meine Jugend, auf einen Schlag. Vielleicht redeten wir noch weiter, aber nichts, was danach noch oder in den nächsten zehn Jahren gesagt wurde war von Relevanz.“

Blick aus der Bibliothek der London School of Economics, dritter Stock, wo der Blog-Eintrag eben verfasst wurde.

Miriam Stein wird unter anderem aus ihrem Buch vorlesen. Begleitet mit einem Akustikset von der Musikgruppe Ludwig. Mit Ludwig hatte sie bereits für das Rimini-Protokoll zusammen gearbeitet.

Es lohnt sich in die Musik von Ludwig reinzuhören: PLAY MYSPACE

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