Imran Ayata: Aus und Vorbei // ESC (Auszug)

Bum, bum, buum. Baam. Küüüüt. Buuuum. Erst Toni, dann Sascha und schließlich ich. Stundenlang droschen wir, ohne die Reihenfolge jemals zu missachten, unseren sich schon beulenden Lederball gegen die Garagentür. Drinnen parkte der ganze Stolz meines Vaters: Ein dunkelroter Audi 80 Diesel, dessen Motor so laut knatterte, dass einmal an der bulgarisch-türkischen Grenze der Bulgarbulle unseren Wagen abfällig als „Traktor“ bezeichnet hatte.  Mein Vater parierte lässig diesen 2.-Liga-Ostblock-Diss und behauptete, der Grenzkontrolletti habe außer einem Esel noch kein anderes Fortbewegungsmittel je besessen. Aber ich will gar nicht ablenken, das Ding ist ein anderes. Jugend, Fußball, Mann werden, Siegen und Verlieren – der ganz normale Wahnsinn eben. Also, zurück zu den Tagen mit dem Kick gegen das Garagentor, womit wir erst aufhörten, wenn es dunkel wurde und unsere Treffsicherheit verloren ging. Dann knallte der Ball nicht mehr gegen die Garagentür, sondern flog links und rechts daran vorbei. Manchmal landete er dahinter im Nachbarsgarten, was uns den Groll seines Besitzers brachte. Einmal scheuchte uns Frau Meyer mit dem Teppichklopfer in der Hand durch die Straßen und schimpfte uns Batschaken, weil Toni den Ball durch das Küchenfenster gejagt und ihren Eintopf vom Herd abgeschossen hatte.  Nachdem ich ein anderes Mal die Pille in Meyers Garten geschossen hatte, musste ich ihn holen, weil die Regel lautete, dass jeder seinem Ball hinterher musste. Kaum war ich über den Gartenzaun geklettert, stand Siegfried Meyer vor mir. Typ „Deutsche Eiche.“

(…)

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