Don’t trust your inner feelings

Am 08. September eröffnete Selim Özdogan die Lesesaison bei tausend worte tief. Er las aus seinem Kurzprosaband „Ein Glas Blut“, aber auch aus „Trinkgeld vom Schicksal“ und einige unveröffentlichte Geschichten. Am Tag nach der Lesung war auf Social Network Foren mitzuverfolgen, wie der Link zum Text Unser Vibrationshintergrund gepostet, geshared, geliked und kommentiert wurde. In dem Text vergleicht Selim Migranten mit Vibratoren:

„Migranten und Vibratoren haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Vibratoren werden meistens vor den Blicken der Öffentlichkeit versteckt, in Schubladen, in der hinteren Ecke des Schrankes, im Geheimfach des Schminkkoffers. Migranten wohnen auch oft versteckt, in Gegenden mit billigen Mieten, in den Ecken der Großstädte, die normalerweise selten ins Bewusstsein dringen.“

tausend worte tief ist eine Wort und Klang Veranstaltung für Literatur und Musik. Selim ließ uns Songs hören, die wichtig für sein Schreiben sind und erzählte, was ihn mit diesen Liedern verbindet. Wir hörten z.B. „that don’t make it junk“ von Leonard Cohen. „Don’t trust your inner feelings, inner feelings come and go“ heißt es da. „Ich weiß nicht, wie es euch geht“, sagte Selim, „aber ich habe mindestens 20 Stimmen in mir, die alle etwas anderes erzählen.“ Man könne einer folgen, über Jahre hinweg und staune hilflos, wenn diese plötzlich verstumme. Dann komme die nächste Stimme und fordere, was die verstummte all die Jahre verdammt hatte: No, don’t trust your inner feelings.

Die inneren Stimmen mögen trügen, die Stimmung an diesem Abend nicht: Der Zauber im Raum war unverkennbar. Auch Selim, der schon auf unzähligen Lesebühnen stand, bekannte dass es ihm eine besondere Freude war vor dem tausend worte Publikum zu lesen.

(siehe auch love german books)

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