Was ist tausend worte tief?

Die Lesereihe tausend worte tief – gelesen wird immer wurde 2003 von den Autoren Mutlu Ergün und Deniz Utlu, sowie von dem Kulturmanager Kerim Atasever ins Leben gerufen. Zwei Jahre lang fand an jedem letzten Sonntag im Monat im Café :vor wien in Berlin Kreuzberg eine tausend worte tief Lesung statt. Die Lesereihe wurde kurz nach Eröffnung des Cafés gestartet und verhalf ihm innerhalb kürzester Zeit dazu zu einer Szene Kneipe in Kreuzberg zu werden. Künstler, Schauspieler, Musiker,  Filmemacher der Metissage frequentierten das Café regelmäßig. Das Format wurde dann auch nach Hannover ins Pavillon und in das Theatermuseum und in Berlin in den King Kong Club eingeladen, wo ebenfalls Lesungen stattfanden.

tausend worte tief ist zurück. Diesmal in der Werkstatt der Kulturen in der Wissmannstr. 32, jeden zweiten Mittwoch im Monat um 19 Uhr.

„Wenn du mich suchst, jenseits der Floskeln und Spiele, jenseits von Lügen und vermeintlichen Wahrheiten, jenseits von Gesagtem und eigentlich Gemeintem, wenn du mich wirklich suchst, du findest mich. Du findest mich tausend Worte tief.“

Wir brauchen die Sprache, um uns mitzuteilen. Wir brauchen sie, um uns zu verständigen. Doch in wie weit ist das möglich? Jeder Mensch ordnet Begriffen andere Bilder zu, assoziiert anderes, wenn er dieselben Worte hört. Und dann wieder Redewendungen, Floskeln, Volksweisheiten, Klischees, die Sprache in ihrem alltäglichen Gebrauch, wo sie zu allgemein ist für das Persönliche. Wenn wir in die Tiefen unserer Seelenlandschaften klettern und unser Gegenüber mitnehmen möchten, hilft es uns da wirklich weiter, dass wir ein- und dieselbe Sprache sprechen? Oder ist der Weg gar so schwer zu beschreiben, die Anleitung so schwer zu lesen, dass es beinah gleichgültig zu sein scheint, in welcher Sprache sie geschrieben ist?

Es bedarf etwas anderem, um diese Anleitung lesen zu können: Etwas, das hinter den Worten ist und in ihnen. Etwas, das um sie herum schwirrt und aus ihnen heraus fließt.

Vielleicht entschieden wir uns für den Titel „tausend worte tief“, weil wir tausende Worte benutzen werden, um in die Tiefen einer Landschaft zu steigen, wo sonst nur jeder alleine sein kann. Und wenn wir dort angekommen sind, wenn wir tausend worte tief sind, dann haben wir unsere Haut verlassen und sind gemeinsam in eine andere geklettert. Vielleicht schaffen wir es dann, wenn wir zurück geklettert sind, durch unsere Häute und Hautfarben hindurch zu sehen, durch unsere unterschiedlichen Sprachen hindurch zu hören und von einem Déjà-vu an unsere Zugehörigkeit erinnert zu werden. Dies ist ein Versuch uns den Lageparametern unserer Intuition zu nähern, die uns haben diesen Namen wählen lassen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: