Archive for the gelesen wird immer Category

Bienensummen

Posted in gelesen wird immer on 29. November 2010 by du

Zafer Senocak las aus der Übersetzung seines Romans „Der Pavillon“. Senocak begann seine Karriere als deutschsprachiger Autor. Das genannte Buch schrieb er auf Türkisch. Es geht ums Musische, sagte er während des Bühnengesprächs, um einen muslimischen Atheismus und um eine Imkerfamilie. Bienen fällt in diesem Roman also eine wichtige Rolle zu. Wo Senocak Multilinguist ist, darf Oruc Gürbüz Multi-Instrumentalist genannt werden. Seine zahlreichen Instrumente baut er selber. „Mir geht es darum, Glück in die Welt zu streuen“, sagt er, „ich sehe mich in der Tradition des Sufismus“. Während Senocak erzählerisch den Drohnen folgte, summte, knirschte und knarrte Gürbüz Hintergrundmelodien.

Vorweg gab es ein Bühnengespräch zwischen mir und Senocak. Es ging um das Schreiben in verschiedenen Sprachen. Um die Annäherung an den Klang. Die Sprache sucht mich aus, sagte Senocak sinngemäß, nicht ich die Sprache. Manche Texte muss ich auf Türkisch schreiben, manche auf Deutsch.

Auch die tausend worte tief Abschluss-Lesung für dieses Jahr am 08.12.2010 wird im Zeichen der Multilingualität stehen. Eingeladen ist Yoko Tawada. Sie schreibt auf Deutsch und Japanisch.

(Fotos: Soma Sohrabi)

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Durch das Magazin freitext blättern (5 Ausgaben)

Posted in gelesen wird immer on 29. November 2010 by du

www.freitext.com

Radio-Essay von Zafer Senocak

Posted in gelesen wird immer on 8. November 2010 by du

 

Migration als Einbahnstraße (veröffentlicht beim Deutschlandfunk 01.08.10)

Die positive Vorstellung von der kulturellen Vielfalt einer Einwanderungsgesellschaft ist längst düsteren Exempeln einer misslungenen Integration im Alltag gewichen. In seinem Essay macht der Autor deutlich, dass eine fortwährende Stigmatisierung des Fremden nur in die Irre führen kann. Zafer Şenocak ist deutsch-türkischer Schriftsteller. Sein jüngstes Buch „Der Pavillion“ erschien 2009 im Dagyeli Verlag.

Link zum Radioessay: http://bit.ly/b20xso und als podcast: http://bit.ly/a7ZVYo

(Achtung: bei tausend worte tief wird er aus seinem belletristischen Werk lesen)

Outstanding

Posted in gelesen wird immer on 22. Oktober 2010 by du

01 Outstanding

 

02  Nicht Dein Land

 

Am 13.08.2010 hat Philipp Khabo Köpsell im Rahmen von tausend worte tief Buchpremiere gefeiert. Die Akte James Knopf ist eine Sammlung von (Spoken Word) Gedichten und Rap Songs, teils auf Englisch, teils auf Deutsch. Das Buch ist in der Edition Insurrection Notes des Unrast Verlags erschienen.

Philipp dichtet im Zeichen von Empowerment und Gerechtigkeit – with an outstanding feeling for rhythm. Das Buch kann für 9.90 € beim Verlag bestellt oder im gut sortierten Buchhandel gekauft werden.

Bei tausend worte tief wurde Philipp von der Hip Hop Formation Mixed Emotion begleitet. Für die Beats von SamSizzle, die Soulstimme von Stephstoul und die Spoken Words von Philipp war der Beifall groß.

Wir gratulieren Philipp zum Buch und danken dafür, dass er uns damit bereichert hat.

 

Carole King von Philipp Khabo Köpsell

Posted in gelesen wird immer on 11. Oktober 2010 by du

Belle Madame mit zu viel Haar
schnurgerade an der Haltestelle

knuffiger Schimansky –
kaut cool Kaugummi

Pärchen – beide Lippenpiercing,
fetten Arsch und Boxerfresse

eine weiße Frau mit Kinderwagen
guckt wie Carole King.

Don’t trust your inner feelings

Posted in gelesen wird immer on 6. Oktober 2010 by du

Am 08. September eröffnete Selim Özdogan die Lesesaison bei tausend worte tief. Er las aus seinem Kurzprosaband „Ein Glas Blut“, aber auch aus „Trinkgeld vom Schicksal“ und einige unveröffentlichte Geschichten. Am Tag nach der Lesung war auf Social Network Foren mitzuverfolgen, wie der Link zum Text Unser Vibrationshintergrund gepostet, geshared, geliked und kommentiert wurde. In dem Text vergleicht Selim Migranten mit Vibratoren:

„Migranten und Vibratoren haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Vibratoren werden meistens vor den Blicken der Öffentlichkeit versteckt, in Schubladen, in der hinteren Ecke des Schrankes, im Geheimfach des Schminkkoffers. Migranten wohnen auch oft versteckt, in Gegenden mit billigen Mieten, in den Ecken der Großstädte, die normalerweise selten ins Bewusstsein dringen.“

tausend worte tief ist eine Wort und Klang Veranstaltung für Literatur und Musik. Selim ließ uns Songs hören, die wichtig für sein Schreiben sind und erzählte, was ihn mit diesen Liedern verbindet. Wir hörten z.B. „that don’t make it junk“ von Leonard Cohen. „Don’t trust your inner feelings, inner feelings come and go“ heißt es da. „Ich weiß nicht, wie es euch geht“, sagte Selim, „aber ich habe mindestens 20 Stimmen in mir, die alle etwas anderes erzählen.“ Man könne einer folgen, über Jahre hinweg und staune hilflos, wenn diese plötzlich verstumme. Dann komme die nächste Stimme und fordere, was die verstummte all die Jahre verdammt hatte: No, don’t trust your inner feelings.

Die inneren Stimmen mögen trügen, die Stimmung an diesem Abend nicht: Der Zauber im Raum war unverkennbar. Auch Selim, der schon auf unzähligen Lesebühnen stand, bekannte dass es ihm eine besondere Freude war vor dem tausend worte Publikum zu lesen.

(siehe auch love german books)

German Ragga

Posted in gelesen wird immer on 6. September 2010 by du

Musik ist wichtig fürs Schreiben. Kaum ein Autor, dessen Schreibe nicht geprägt ist von Songs, die ihn bewegten. Kaum eine Autorin, für die der Klang der Worte nicht ebenso wichtig ist wie die Bedeutung ihrer Inhalte.

Für Selim Özdogan ist Musik von besonderer Wichtigkeit. In seinem Roman „Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist“ gibt es für fast jede Gefühlsregung des Protagonisten einen mit Bestimmtheit ausgewählten Track. In „Die Tochter des Schmieds“ schreibt er über den „anatolischen Blues“.

Bei tausend worte tief (am Mittwoch, 20 Uhr, WdK, Berlin) spielt er uns Lieder vor, ohne die sein Schreiben nicht das wäre, was es ist (hier ein Vorgeschmack).